Make Science, Not Miles

Illustration Projekt Flugreisen

Die UZH setzt sich für Formen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit ein, die mit weniger Flugreisen auskommen. Ziel des 2021 lancierten Projekts «Make Science, Not Miles» ist es, UZH-Angehörige für die hohen externen Kosten von Flugreisen zu sensibilisieren, die insbesondere durch die Emission von Treibhausgasen verursacht werden. Wer sich der wahren Kosten des Reisens bewusst ist, kann sie gegen den erwarteten Nutzen einer Reise neu abwägen.

Die Treibhausgase, die beim Fliegen emittiert werden, tragen zu Klimaveränderungen bei, die noch viele Generationen belasten werden. Das Projekt soll motivieren, das ganze Spektrum von Austauschformen (virtuell und physisch) und Reisemitteln auszuloten, um die dienstreisebedingten Emissionen kontinuierlich zu reduzieren. Dies erfordert einen Kulturwandel, der aus einer vielleicht momentan empfundenen Einschränkung neue Chancen für den internationalen Austausch schöpft. Das gilt auch für die Karrierechancen von jungen Forschenden, die besondere Beachtung verdienen. 

«Wir müssen den intellektuellen und kulturellen Austausch neu erfinden, indem wir uns von erstarrten Formen lösen. Es gibt viele Formen, virtuell oder physisch anwesend zu sein, um Diskurse zu führen und zu kollaborieren. Wir werden Wege finden, auch informellen Austausch und das beiläufige Lernen in virtuellen Räumen besser zu ermöglichen. Umgekehrt wird uns bewusst werden, wie unproduktiv zumindest einige Formen des Reisens sind, etwa wenn mensch tausende Kilometer fliegt, um sich dann für kurze Zeit an Besprechungstischen gegenüberzusitzen, die mehr Distanz schaffen als die Kacheln auf Zoom.»

Prof. Dr. Lorenz Hilty, Delegierter für Nachhaltigkeit 

Klimaneutralität als Ziel

Die Universität Zürich setzt sich aktiv und konsequent für das globale Ziel der nachhaltigen Entwicklung ein. Mit der Umsetzungsstrategie 2030 zur Sustainability Policy hat sich die UZH das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 (Ziel II.3.1) und das Ziel, ihre «Treibhausgasemissionen, die durch die Dienstreisen und den Pendelverkehr ihrer Angehörigen sowie durch interne Transporte verursacht werden [zu reduzieren]» (Ziel II.3.2) gesetzt. Für den weitaus grössten Anteil der gesamten Treibhausgas-Emissionen der UZH waren bis zur Pandemie Flugreisen verantwortlich. Eine Reduktion der Flugreisen bietet deshalb das grösste Potential zur Reduktion der durch die UZH verursachten Klimabelastung. 

Umsetzung der Sustainability Policy

Zahlen zu den Treibhausgas-Emissionen durch Flugreisen von UZH-Angehörigen

Flugreisen verursachen im Regelbetrieb der UZH den grössten Anteil der THG-Emissionen, noch vor Elektrizitäts- und Wärmebezug, Pendelverkehr und Mensaverpflegung. Vor der Covid-19-Pandemie lag dieser Anteil bei rund 35 % (2018/2019) der gesamten THG-Emissionen der UZH. Berücksichtigt wurden dabei alle Flüge, die mindestens zur Hälfte von der UZH finanziert wurden. 83-84 % dieser Emissionen stammen von Langstreckenflügen, obwohl diese nur rund ein Drittel der Flüge ausmachen. Jeder vermiedene Langstreckenflug ist deshalb ein relevanter Gewinn für das Klima.

Flugemissionen im Vergleich 2018-2020
Zoom (JPG, 282 KB)
THG-Emissionen nach Verursachungskategorie (in Tonnen CO2e)

Wie kann ich flugbedingte THG-Emissionen reduzieren?

Weniger Flugmeilen zurückzulegen ist der wichtigste Hebel, um THG-Emissionen zu reduzieren. Grundsätzlich gibt es die folgenden Optionen:

  • Virtuelle Präsenz als Alternative zum Flug nutzen. Dies gilt für eigene Reisen wie auch für die Einladung von Referierenden und Prüfenden auf Kosten der UZH. Die Umweltbelastung durch die IT-Infrastruktur, die für Videokonferenzen und andere Formen des virtuellen Austauschs benötigt wird, ist zwar nicht zu vernachlässigen, aber in der Regel sehr viel geringer. Eine Videokonferenz müsste 8 700 Stunden dauern, um einen Flug von Zürich nach New York und zurück in CO2-Äquivalenten aufzuwiegen (Factsheet Dienstreisen (PDF, 417 KB)).
  • Anzahl der Reisenden reduzieren. Gezielt auswählen, welche Person eines Teams zu einer Veranstaltung reist und dann das restliche Team über den Austausch informiert.
  • Mit Bus oder Bahn reisen. Bei Reisen in Europa sind Bahn und Fernreisebus die umweltfreundlicheren Varianten. Für einige Destinationen gibt es Nachtzüge.
  • Mehrere Reisegründe kombinieren. Planen Sie wenn möglich die Reise so, dass sie mehrere Zwecke zugleich erfüllt und dadurch mehrere Einzelreisen ersetzt (indem Sie z.B. mehrere Besuche verbinden). 

Bei unvermeidbaren Flugreisen helfen folgende Massnahmen, die Umweltbelastung deutlich zu reduzieren: 

  • Economy Class wählen. Durch Verzicht auf Business Class könnten an der UZH jährlich 5-10 % der flugbedingten Treibhausgas-Emissionen eingespart werden. Der Emissionsbeitrag eines Fluges in der Business Class ist rechnerisch (aufgrund des grösseren beanspruchten Anteils des Flugzeugs) mindestens doppelt so hoch wie der eines Fluges in der Economy Class.
  • Relativ effiziente Airlines wählen. Durch die Wahl einer effizienten Airline können bis zu 50 % an Flugemissionen vermieden werden. Auf eine Entfernung von 6 550 km kann so bei einem Hin- und Rückflug eine Tonne CO2 eingespart werden (Effizienzklasse C: 1 600 kg CO2, Effizienzklasse G: 2 600 kg CO2).
  • Direktflüge bevorzugen. Ein Direktflug ist einem Flug mit Zwischenstopp vorzuziehen, da die Startphasen besonders emissionsintensiv sind. Deshalb lohnt es sich auch, Zubringerflüge durch Bahnfahrten zu ersetzen. 
  • Emissionen kompensieren. Kompensationzahlungen sollten nicht als Ersatz, sondern in Kombination mit den oben genannten Massnahmen erfolgen. Achten Sie bei der Wahl des Anbieters darauf, dass die Kompensationsprojekte qualitativ hochwertig sind. Für Letzteres gibt das Zertifikat «Gold Standard» eine Orientierungshilfe. Hier geht es zum Vergleich wichtiger Anbieter für CO2-Kompensationen.

Erste Schritte zur Reduktion von Flugreisen an der UZH

Noch gibt es an der UZH keine umfassende Vorgehensweise zur Reduktion der flugbedingten Emissionen. Mehrere Organisationseinheiten haben jedoch bereits Massnahmen zur Reduktion ihrer Flugreisen umgesetzt. 

Das Geographische Institut setzte sich 2020 das Ziel, bis 2025 die Flugkilometer um 25 % entlang eines linearen Reduktionspfades abzusenken, ausgehend vom Durchschnittswert der Jahre 2017-2019.

Das Institut für Politikwissenschaft ist bemüht, die Anreise von nicht in der Schweiz wohnhaften Dozierenden möglichst nachhaltig zu gestalten, u.a. durch Blockveranstaltungen. Eine mehrfache Anreise für eine einzige Lehrveranstaltung soll dadurch vermieden werden. Zudem werden am Institut die Emissionen aller Flüge durch Zahlungen an Kompensationsdienstleister ausgeglichen.

Der Graduate Campus macht Angaben zu einer ökologischen Reiseplanung zum Bestandteil der Beurteilungskriterien, um Antragstellende von Travel Grants für nachhaltige Mobilität zu sensibilisieren. Die Angaben betreffen nicht nur die Wahl des Reisemittels, sondern auch die Gestaltung des Reiseprogramms und die Nutzung der Zeit vor Ort. Zudem wird auch bei Anträgen für GRC Grants und Short Grants auf Nachhaltigkeit gesetzt. So werden Anreisen von eingeladenen Expert*innen per Bahn oder andere nachhaltige Mobilitätslösungen gegenüber Flugreisen bevorzugt, wo dies möglich ist. Diese Priorisierung gilt auch dann, wenn der Ticketpreis höher ist und zusätzliche Kosten für Übernachtung anfallen sollten.

An der Philosophischen Fakultät besteht gemäss der 2019 revidierten Promotionsverordnung (PromVO 2019) die explizite Möglichkeit der virtuellen Teilnahme an Promotionsprüfungen für externe Prüfende und andere Beteiligte. Diese können über Videokonferenz teilnehmen, sofern die anderen Mitglieder der Prüfungskommission vor Ort sind.

Seit Mai 2021 können UZH-Angehörige freiwillige Selbstverpflichtungen zur Reduktion ihrer flugbedingten THG-Emissionen und anderer Massnahmen zur Nachhaltigkeit auf einer Online-Plattform deklarieren. Diese Möglichkeit wird zunehmend genutzt. Plattform freiwillige Selbstverpflichtungen

Bestrebungen zur Reduktion der Flugreisen im Wissenschaftsbetrieb auf nationaler und internationaler Ebene

Die UZH ist Teil des Swiss Network for Sustainable University Business Travel. In diesem Netzwerk tauschen sich Vertreter*innen der grössten Schweizer Hochschulen aus, um gemeinsam die Emissionen durch Dienstreisen zu reduzieren. Beteiligt sind neben der UZH die ETHZ und EPFL, die Universitäten Basel, Bern, Fribourg, Genf, Lausanne, Luzern, Neuchâtel, St. Gallen und die Università della Svizzera italiana, sowie die ZHAW und die ZHdK.

Auch weltweit setzen sich Universitäten und Forschende für einen Wissenschaftsbetrieb mit weniger THG-Emissionen durch Reisen ein, beispielsweise in diesen internationalen Netzwerken:

Besonders aktiv sind u.a. die Universitäten Edinburgh und Lund. Weitere Universitäten und ihre Bestrebungen zeigt diese interaktive Karte, die eine Doktorandin der ETHZ erstellt hat.

Weiterführende Unterstützung und Informationen

Hintergrundinformation und Unterstützung

  • Factsheet Dienstreisen (PDF, 417 KB) vergleicht die Treibhausgas-Emissionen und den Netto-Zeitaufwand für Reisen per Bahn, Auto, Flugzeug und virtuell.  
  • Travel Map ETH vergleicht Zug und Flug für ausgewählte Destinationen ab Zürich.
  • Ecopassenger berechnet Energieverbrauch, CO2- und Luftschadstoffemissionen für Flugzeug, Auto und Bahn.
  • Routerank hilft den umweltfreundlichsten und schnellsten Weg zum Zielort zu finden.
  • Eventmanagement der UZH bietet Ideen, Beispiele und Beratung auch für die Planung virtueller oder hybrider Anlässe.
  • Multimedia- and E-Learning Services der UZH unterstützt bei der Infrastrukturbeschaffung für Videokonferenzen in Büros, Hörsälen und Seminarräumen.

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